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Beiträge von Francesc Hervada-Sala.

Katalonien, Oktober 2017

Geschrieben am 16.11.17 #

Zwischen Ende September und Anfang November hat Katalonien einen dieser seltenen Augenblicke erlebt, in denen man die Pulsschläge der sicht verdichtenden Geschichte wahrnimmt. Als jemand, der seit jeher für einen eigenen Staat für Katalonien ist, war diese Zeit für mich ein Wechselbad der Gefühle. Ich möchte hier nur zwei davon herausstellen. Zum einen die Freude daran, das gestiegene Selbstbewusstsein des eigenen Volkes, das jetzt entschieden Selbstständigkeit anstrebt, festzustellen. Zum anderen der Schrecken, zu beobachten, dass der spanische Staat die katalanische Forderung gar nicht politisch angehen, sondern nur mit Repression niedermetzeln will und weder vor der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung noch vor dem Verlust der Demokratie zurückschreckt. Besonders hat mich die Reaktion in Europa und speziell in Deutschland enttäuscht, dem Land, in dem ich schon so lange und so gern gewohnt habe. Von den etablierten Parteien und der größeren Öffentlichkeit kam nur ein Schulterschluß mit der spanischen Regierung. Dass eben diese Regierung europäische Grundwerte verletzt hat, hat in der Öffentlichkeit genauso wenig eine Rolle gespielt, wie die Bestimmung des katalanischen Volkes, das sich nicht mehr unterjochen und seine Identität frei ausleben will. In welchem Land wohnen wir eigentlich, wenn man dem Willen eines Volkes kein Gehör schenkt und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung missachtet?

Wikipedia als Problem

Geschrieben am 16.11.17 #

Was mir an Wikipedia nicht gefällt ist, dass sie die Vielfalt kaputt gemacht hat. Sie ist gut, verdammt gut, reichhaltig und sehr gut strukturiert. Außerdem, mehrsprachig. Ich freue mich oft auf ihre Artikel und habe nichts dagegen, dass es sie gibt. Aber: ich bin gegen sie, weil sie Enzyklopädien in aller Welt, von der Britannica zum Brockhaus, zerstört und ihre Weiterentwicklung gerade in Zeiten der Digitalisierung gekappt hat. Die Landschaft aus mehreren, unabhängigen, sehr professionalisierten Verlagen ist vernichtet worden. Früher war der Wettbewerb sichtbar, man könnte sich mehrere Enzyklopädien beschaffen und die Informationen vergleichen. Heute ist der Wettbewerb unsichtbar, weil die Diskussionen, Machtkämpfe, Ideologische Auseinandersetzungen etc., die innerhalb der Wikipedia stattfinden, von der Öffentlichkeit verborgen bleiben. Die Meinung, man könne die Wirklichkeit objektiv, perspektivlos erklären, kann man nur aus extremem Unwissen oder aber aus unlauteren Gründen vertreten. Deshalb darf es nicht die eine Stelle geben, die alles erklärt, sondern soll jedes Thema aus vielen Perspektiven beleuchtet werden. Wichtig ist hier, dass die Perspektive jeweils auch zur Sprache kommt. Der Ansatz der Wikipedia ist dem jedoch entgegengesetzt. Sie bietet zu jedem Thema nur eine Erklärung an und lässt den Leser über die angenommene Perspektive völlig im Dunkeln. Das Schlimme ist die Gefräßigkeit, mit der dieses Angebot die bisher existierenden Angebote und damit die Vielfalt vernichtet hat. Unterm Strich halte ich das Phänomen Wikipedia für einen gravierenden, besorgniserregenden kulturellen Verlust.

Ideen

Geschrieben am 14.07.17 #

Ideen sind der Stoff unseres Erlebens. Sie gestalten unser Wahrnehmen und Empfinden, aber auch unser Vorhaben und Tun. Ideen richten sich stärker oder weniger stark auf Ideale, d. h. Idealvorstellungen wie das Schöne, das Gute und das Wahre. Doch Ideale werden nicht erreicht und werden nicht von allen Ort- und Zeitgenossen, geschweige denn von allen Menschen, geteilt. Ideale sind nicht etwas ein für allemal Vorgegebenes, sondern werden mit den Ideen mitentwickelt und gehören so wie die einzelnen Ideen auch zur ideenmäßigen Tätigkeit des Menschen. Ideen haben nur einzelne Menschen, diese bringen sie jedoch nicht in der Vereinzelung vor, sondern ausgehend von einem Erbe, in Dialog mit gegenwärtigen Menschen und Umständen, und mit der Aussicht von sich abzeichnenden, erwünschten oder befürchteten künftigen Möglichkeiten.

Jahr 0

Geschrieben am 17.01.17 #

Ist es noch zeitgemäß, dass die weltweit einheitliche Zeitrechnung die christliche ist? Eher nicht. Eine zusammengewachsene Welt braucht eine angemessene Zeitrechnung, die von allen getragen werden kann. Eine bestimmte Weltreligion hervorzuheben, scheint mir eine imperialistische Überreste zu sein. Mein Vorschlag: Die altgriechische Zeitrechnung wiederherzustellen, d.h. das Jahr 0 auf das Jahr der ersten Olympiade zu setzen. Nicht nur hat diese Zeitrechnung historisch solide Wurzeln, weil damit eine Zivilisation rechnete, die man als Vorläufer der aktuellen globalen Welt gut erkennen kann, sondern ist sie auch für die gegenwart passend, denn olympische Spiele gibt es noch immer und sind ein weltumspannendes, weltvereinheitlichendes Event. Also: wir leben gerade im Jahr 2793 der Globalen Zeitrechnung.

Anfang 2017

Geschrieben am 09.01.17 #

Will mich jetzt von Altlasten befreien und verlege die bisherigen Blogeinträge in eine separate Archivseite, so wie vor 2, vor 5 und auch vor 7 Jahren schon getan.

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Letzte Änderung am 16.11.17

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