Blogarchiv 2007

Blogeinträge, die Francesc Hervada-Sala 2007 erstellte.

Textarbeit

Geschrieben am 24.11.07 #

Das Schöne an der Textarbeit, den richtigen Textbegriff vorausgesetzt, ist, dass man der Rationalität nachgeht, allerdings ohne diesen gefühlsbetonten und dramatischen Ausdruck zu benutzen. Die Textarbeit, die nicht das Effekt mit dem Text verwechselt, sondern den Text als solchen wahrnimmt und ihm mit seinen mehrfachen Effekten vergleicht, ist die Beschäftigung mit der Vernunft selbst, fern der verworrenen Autosuggestion und mit aufgewecktem Geiste.

Unix vs. Windows

Geschrieben am 14.10.07 #

Unix ist ein Kind der 70er, Windows der 90er-Jahre. Unix ist für eine Elite, Windows für die Masse. Unix ist sprachlich und geht durchs Gehör langsam zum Verstand, Windows ist visuell, ist durchs Auge sofort wahrzunehmen, kommt aber nie darüber hinaus. Die Unix-Benutzer müssen erst Erwachsen werden, dann aber können sie sich selber helfen; die Windows-Benutzer bleiben immer unmündig, ein Kind, dem alles von einem Erwachsenen vorbereitet werden muss. Das Gute an Unix ist der durchdachte, ökonomische und konsistente Kern, das Gute an Windows die intuitive, leicht zu bedienende Oberfläche. Unix leidet unter einer gewissen Klatschhaftigkeit, mit Windows klickt man sich zu Tode.

Verzettelt

Geschrieben am 28.09.07 #

Man will etwas mit seinen Zeitgenossen tun, man muss auf Grundlegendes verzichten, man lässt sich auf Projekte ein, die zwar viel weniger interessant sind, dafür aber miteinander betrieben werden. Die Freude daran dauert aber wieder nur so lange, bis man sich darüber im Klaren wird, was man da eigentlich tut, nämlich nichts, reine Zerstreuung, Ablenkung, bloßer Zeitvertreib. Will man wirklich etwas in und mit diesem Jahrhundert tun? Ok, kann man, nur muss man im Voraus wissen: Man wird sich verzetteln.

Textorientiertes Speicherwerk

Geschrieben am 08.09.07 #

Die aktuellen Dateisysteme bestehen aus einer Baumstruktur von Namen und ordnen jedem Eintrag einen Speicherraum zu. Die Grenze der Datei ist die Grenze des Betriebssystems; von dem, was in der Datei steht, weiß das Betriebssystem nichts, es ist Sache der einzelnen Programme.

Der textorientierte Ansatz macht das Betriebssystem für den Text verantwortlich. Für den ganzen Text. Der Text fängt mit der bloßen Namensgebung an. Doch die Namen beschränken sich nicht auf eine Hierarchie Laufwerk / Ordner- / Dateiname, sondern der Namensraum ist selbst ein Text und hat alle Möglichkeiten des völlig ausgebauten Textes.

Es gibt hier außerdem keine Grenze wie „Datei”. Wenn ich ein Buch mit einem Textverarbeitungsprogramm verfasse, so kann dieses Buch zwar auch als einziges Dokument behandelt werden (z. B. gedruckt, versendet oder orthographisch geprüft werden), aber man kann sich auch etwa für das Inhaltsverzeichnis interessieren, das man beispielsweise in einem Kalkulationsblatt bearbeiten könnte, um den Fortschritt des Schreibens zu kontrollieren, mit einer zusätzlichen Spalte „Status” mit den Optionen leer/angefangen/geschrieben/geprüft. Hierbei handelt es sich nicht um zwei isolierte Dateien, sondern um einen einzigen Text (Buch+Kontrollinformationen), der von zwei Programmen aus bearbeitet wird. In einem heutigen System ist eine solche Konstellation stark abhängig davon, um welche zwei Programme es sich handelt. Nur wenn der Hersteller den Fall vorgesehen hat und unterstützt, wird es möglich sein. Und die Schnittstelle wird jeweils nur für den Einzelfall gelten. Im textorientierten System stellt diese Konstellation kein Problem dar und funktioniert auf Anhieb für alle Programme ohne eine zusätzliche „Schnittstelle” zu bedürfen.

Über den Namen Informatik

Geschrieben am 06.09.07 #

Der Name Informatik hat sich eingebürgert, ist aber falsch und zeugt von Unverständnis dessen, was die Rechner eigentlich sind und tun.

Denn die Computerwissenschaft ist nicht mit der Wissenschaft von der elektronischen Informationsverarbeitung gleich zu setzen. Die Rechner werden selbstverständlich zu Informationsverarbeitung eingesetzt, aber nicht nur dazu, sondern auch zu Bild- und Tonbearbeitung, Kommunikation, Simulation, Gerätesteuerung und zu vielen anderen Zwecken.

Warum nennt man das Buchwesen nicht „Informationswesen”? Bücher tragen ja auch Informationen. Aber jeder sieht sofort ein, dass das Spezifische, das Autoren, Verlage, Druckereien und Buchhandlungen teilen, das materielle Ding ist, das man Buch nennt. Was ist aber das Spezifische, dass Software- und Hardwarehersteller teilen? Auf keinen Fall  „Information”. In etwas Information zu sehen, ist nicht nur eine Übung, die nur Menschen machen können, sondern auch eine Übung, die eine Schulung voraussetzt. Ein mittelalterlicher Bauer aus Mecklenburg-Vorpommern hätte gewiss keine „Information” sehen können. Aber ein Buch nimmt jeder Hund und jede Ameise wahr. Ein Buch ist eben real, die Information nur unsere Interpretation von etwas.

Das Spezifische des Rechners ist die elektronische symbolische Verarbeitung. Jedes Gerät, das elektrische Signale symbolisch (nicht analogisch) verarbeitet, gehört dazu. Und überall da, wo es Software oder Hardware gibt, gibt es elektronische symbolische Verarbeitung. Die Hardware besteht in den Geräten, die Software in deren Programmierung, d. h. in den darin zur Steuerung eingesetzten symbolischen Gebilden (Texten).

Die nächste Softwarelandschaft

Geschrieben am 05.09.07 #

Mit der Textorientierung wird eine neue Softwarelandschaft entstehen. Die aktuelle Software zeichnet sich durch absolute Text-Ahnungslosigkeit aus. Wollen wir eine Liste ausarbeiten? So setzen wir ein Kalkulationsblatt ein. Wollen wir aber eine Schrift verfassen, so entscheiden wir uns für ein Textverarbeitungsprogramm. Haben wir andererseits gut strukturierte Daten, speichern wir sie in eine relationale Datenbank ab. Das gegenwärtige Modell ist also: es gibt bestimmte Informationsstrukturen, jede ist unabhängig von den anderen und wird durch Spezialprogramme gesteuert. Die unerlässliche Folge ist die Kleinstaaterei: Großer Aufwand ist nötig, um zwischen den einzelnen Insellösungen zu vermitteln, und das Zusammenspiel ist im Ganzen mangelhaft.

Das textorientierte Modell sieht ganz anderes aus. Da sind Listen, Tabellen, Hierarchien, Schriften, Relationen usw. keine eigenständige, isolierte Grundbegriffe sondern besondere Textkonfigurationen, d. h. Texte mit bestimmter Charakteristik. Eine Liste ist eine „Reihe von” (wovon auch immer), ein textorientiertes Kalkulationsprogramm kann mit Listen von Zeichenketten genauso gut umgehen wie mit Listen von E-Mails oder mit Listen von Feldern einer Datenbanktabelle. Mit einem textorientierten Datenbanksystem können Schriften, E-Mails und Listen genauso gut abgefragt werden. Beispiel: Man könnte in einem textorientierten System mit einem Kalkulationsblatt die Liste bearbeiten von allen Absendern von E-Mails der letzten zwei Jahre, von denen man keine Telefonnummer weiß, dafür aber eine Homepage, die in den letzten 3 Monaten aktualisiert wurde. Und zwar könnte man dies spontan und ohne Programmierungsarbeit tun.

Minimalismus in der Programmierung

Geschrieben am 24.08.07 #

Minimalismus könnte man das Ideal nennen, die Software möglichst einfach zu gestalten. Denn die Kunst der Programmierung besteht nicht darin, die Programme zu verkomplizieren — das tun sie mit der Zeit von alleine —, sondern sie zu vereinfachen. Es geht da nicht darum, Funktionalität zu sparen, sondern, den logischen Kern der Funktionalität ausfindig zu machen, die Software mit wenigen Grundfunktionen auszustatten, aus denen aber durch geschickte Kombination sich alle andere Funktionen ergeben. Der gute Softwareentwickler ist ein minimalistischer Schriftsteller, der sich in kürzen, genauen Sätzen mit perfekter Wortwahl ausdrückt und dem ganzen Werk eine überschaubare, stilvolle, ausbalancierte Einheit gibt.

Dialektik

Geschrieben am 19.08.07 #

Allen herkömmlichen und historischen Bedeutungen des Wortes Dialektik liegt ein einziges Phänomen zugrunde. Dialektik ist das Spiel mit dem Text — ob oberflächlich oder tiefsinnig. Man kann sich äußerlich am ausformulierten Text halten und ihn dadurch bloß stellen, dass man ihn anderweitig anwendet. Das muss nicht unbedingt Überredung, kann auch Wissenschaft sein. Man kann sich innerlich darum bemühen, ein und denselben Text immer wieder neu zu interpretieren. Darin besteht die philosophische Dialektik, der Kampf der Ideen mit dem Text, das Spiel der Vorstellungen gegen die Realität.

Unix und Text

Geschrieben am 29.07.07 #

Unix zeichnet sich unter allen Betriebssystemen durch markante Textorientierung aus. Gerade das hat zur Folge, dass es das beliebteste Betriebssystem unter Programmierern ist. Denn Software ist Text, Textorientierung ist daher in der Softwareentwicklung sachgemäß (das weiß man heute noch nicht, der Unix-Fachmann spürt aber, dass dies der richtige Weg ist).

Was ich unter Text verstehe, kommt in Unix in verschiedenen Gestalten vor. Manchmal unter dem Namen Text, etwa wenn man jedes Programm als Filter auffasst, der einen eingegebenen Text verarbeitet und wieder ausgibt. Manchmal ohne diesen Namen, so bleibt man etwa beim Schlachtruf „KISS! Keep It Simple, Stupid!” stehen, ohne den schleierhaften „it” als einen Text ans Licht zu bringen. Ferner ragt die Unix-Gemeinde traditionell durch den Umgang mit dem nicht ausführbaren Softwaretext heraus: zum einen wird der Quellcode verteilt (womit die installierte Software keine Blackbox ist), zum anderen ist jedes Programm mit den so-genannten man-Seiten gut dokumentiert.

Rund um das Unix-Betriebssystem ist eine Auffassung der Softwareentwicklung entstanden, die viel mehr ist, als nur eine Eigenart oder eine Art unter anderen möglichen. Seine Textbasiertheit ist kein Gag. Da berührt Unix als einsame Spitze den Nerv der Software überhaupt.

Programmiersprache als Textinstrument

Geschrieben am 26.07.07 #

So wie ein Musikinstument dazu da ist, Musik hervorzubringen, dient auch eine Programmiersprache dazu, Texte herzustellen. Der Computer wird durch Text gesteuert. Mit Programmiersprachen lassen sich Texte bilden, warten und weiterentwickeln, die viel komplexer sind, als das, was der Mensch ohne Sprache (knotenweise) zustande bringen und kontrollieren könnte.

Doch das Feld der Programmiersprachen ist durch Gewohnheit und Fantasielosigkeit geprägt. Der zufällige erste Ansatz wird willenlos gefolgt. Die heutige Programmiersprachen kommen aus dem eigenen Paradigma nicht heraus; sie begnügen sich damit, den eigenen theoretischen Ansatz zu verewigen. Man sollte diesen starren Weg der Implementationsorientierung verlassen und anfangen, mit der Sprache kreativ, spontan und ungezwungen umzugehen und sie den realen Problemen und deren Lösung näher zu bringen. Anstatt beispielsweise die Entwicklung von Benutzeroberflächen mit bloßer Objektorientierung zu begegnen, sollten wir etwa anfangen, Sprachen zu Beschreibung von Layout und Benutzerinteraktion zu erfinden. So könnte der Softwareentwickler seine Energie daran einsetzen, eine geeignete Benutzerschnittstelle konzeptuell zu erarbeiten, anstatt wie heute nötig, die meiste Zeit damit verbringen zu müssen, das Konzept in funktionierende Software zu übersetzen.

Die bestmögliche Entfaltung der Programmiersprachen wird man erreichen, indem man zwei Ansätze parallel aber unabhängig voneinander pflegt. Zum einen soll es praxisnahe Entwicklung geben, die sich der Realität möglichst gut anpasst und unbekümmert Neues ausprobiert. Da sind die Ingenieure und die Programmierhelden gefragt, kreativ zu sein und neue Wege zu eröffnen. Zum anderen soll eine gründliche wissenschaftliche Arbeit verrichtet werden, die darin besteht, die existierende Software zu untersuchen, darin Gemeinsamkeiten zu finden, Sprachkritik zu üben und zu neuen, besseren, einfacheren und mächtigeren Programmiersprachen zu kommen. Diese theoretische Arbeit wird darin bestehen, die Textstrukturen des realen erfolgreichen Einsatzes zu verfeinern und durch Versprachlichung für die Allgemeinheit zu erschließen.

Zeitgenossen: Tim O'Reilly

Geschrieben am 15.07.07 #

Interessantes Interview mit dem innovativen Verleger auf Nerd TV:

Nerd TV #5: Tim O'Reilly. Open Source Pioneer

www.pbs.org/cringely/nerdtv/shows/#5

Er war nah dran an vielen Schlüsselentwicklungen des letzten Jahrzehnts, ob Anfang des Internets, Open-Source-Bewegung, oder (neulich) das Web 2.0. Einleuchtende Überlegungen über die Unix-Gemeinde und ihre offene, wertschöpfende Art der Zusammenarbeit.

Wortwolken

Geschrieben am 11.07.07 #

Eine Neuerung in der Textdarstellung, die wir dem World Wide Web zu verdanken haben, ist die Tag- oder Wortwolke, die populäre Webseiten des sogenannten sozialen Bookmarkings in Umlauf gesetzt haben. Hier ein Beispiel aus flickr.com zitiert nach Müller-Prove:

img/wortwolken.png

Bisher kannte man einerseits die Listen und andererseits die Schaubilder. Eine Wortwolke ist eine einfache und anschauliche Listendarstellung, die jedem Element eine Gewichtung vergibt. Die herkömmlichen Tagwolken sind alphabetisch sortierten Listen von Stichworten. Man könnte es aber verallgemeinern und Wortwolken von allerlei Wörtern machen, zum Beispiel von Sinn-tragenden Wörtern eines beliebigen Buches (ob in der Belletristik, der Wissenschaft und Technik oder dem Journalismus), was dem Leser einen aussagekräftigen ersten Eindruck verschaffen würde. Auch müsste man sich nicht auf der linealen Struktur und der alphabetischen Reihenfolge beschränken, sondern könnte man alle Möglichkeiten der zweidimensionalen Darstellung und der Typographie ausschöpfen, um neben der bloßen Häufigkeit der Worte auch andere Informationen zu veranschaulichen.

Philosophische Fakultäten

Geschrieben am 08.07.07 #

Die philosophischen Fakultäten sind wohl das Schlimmste, was die gegenwärtigen Universitäten zu bieten haben. Nicht nur weil die Unwissenschaftlichkeit dort unübertroffene Höhen erreicht, sondern auch weil dieses mit einer sonst unerreichten Arroganz, Engstirnigkeit, Unwissenheit und willkürlichen Subjektivität einher geht. Sie halten sich für über alle anderen Wissenschaften erhaben, und doch sind sie nicht einmal in der Lage, einen einzigen allgemein anerkannten Satz von Wissen (von einem Handbuch ganz zu schweigen) vorzulegen. Und zwar deshalb, weil sie keinen einzigen Satz von Wissen hervorgebracht haben. Aber sie wollen selbstverständlich eine Wissenschaft betreiben.

Meine Damen und Herren: Wissenschaft kommt von Wissen. Käme es von Meinen, so hieße es Meinenschaft. Wenn Sie glauben, Ihre Meinungen unbedingt herausposaunen zu müssen, können Sie es meinetwegen gerne weiterhin tun. Nur bitte nicht unter dem Namen der Wissenschaft. Wenn Sie unbedingt in Schwarm mit Gleichgesinnten denken wollen, können Sie es meinetwegen gerne weiterhin tun. Nur bitte dieses als freie kulturelle Tätigkeit bezeichnen und nicht als Wissenschaft vermarkten.

Ideenfreie Wissenschaft

Geschrieben am 30.06.07 #

Die ideenfreie Wissenschaft ist ein Desiderat, für das seit Jahrhunderten viele Köpfe geschwärmt haben. Das Inkonsistente an all diesen Versuchen bisher war, dass man immer jeweils für eine bestimme Wissenschaftsauffassung plädiert hat. Man hat insofern eigentlich nicht eine Wissenschaft ohne Ideen machen wollen, sondern eine Wissenschaft, die auf eine bestimmte Idee basiert. Das ist aber keine ideen_freie_, sondern eine ideen_arme_ Wissenschaft!

Eine ganz andere Bewandtnis hat es mit dem hiesigen Organon. Wenn wir für ein Organon und überhaupt für eine neuartige Wissenschaft plädieren, wollen wir nicht irgendwelche neue Wissenschaftsauffassung zum Ausdruck bringen, sondern eine neue Art der wissenschaftlichen Arbeit durchsetzen. Wie man die Arbeit selbst auffasst, ist jedermanns Sache und etwas, das keiner Einigung bedarf, für das sogar Vielfalt wünschenswert ist, weil sie einen Reichtum darstellt. Uns geht es darum: die Ideen endgültig außerhalb der Wissenschaft zu positionieren.

Zu einer richtig ideenfreien Wissenschaft zu kommen, ist eigentlich ganz einfach, wenn man auf den hiesigen Begriffen von Text und Idee basiert und sie konsequent durchgehend anwendet. Man braucht nur, in der Wissenschaft sich ausschließlich mit dem Text zu beschäftigen und die Ideen außen vor zu lassen. Man soll sich einfach darum bemühen, die Realität mit Sätzen zu beschreiben, die Sätze für alle nachvollziehbar auszuformulieren, die Behauptungen von allen Seiten bestätigen zu lassen, ferner alle Aussagen in einem konsistenten System, dem wissenschaftlichen Korpus, zu integrieren. Man soll sich allein an das wissenschaftliche Korpus konzentrieren und dieses von allen Seiten her und unter allen möglichen Gesichtspunkten pflegen. Damit wird man eine grundsätzlich ideenfreie Wissenschaft betreiben, ohne eine doch ideenreiche auszuschließen.

Konstruktion der Wirklichkeit

Geschrieben am 29.06.07 #

So eine Plattitüde, und so tief in die Gegenwart eingedrungen. Konstruktion der Wirklichkeit? Humbug! Da verwechselt man einfach das Fürwahrhalten mit dem Wahrsein. Sicherlich richtet sich unser Fürwahrhalten nach einer gesellschaftlichen Konstruktion. Das Führwahrgehaltene unmittelbar als Wahrheit auszugeben, ist aber eine unglaublich seichte und fruchtlose epistemologische Position, die es weder in der Antike noch im Mittelalter noch in der Moderne, sondern nur in der jetzigen kopflosen Zeit bis in die Universitäten schaffen kann. Denn heute gibt es ganze Fachbereiche (die Soziologie allen voran) wo es zum guten Ton gehört, nicht mehr nach der Wahrheit, die man noch nicht kennt, ernsthaft und fleißig zu suchen, sondern, sich zurückzulehnen und einzubilden, alles schon zu wissen, und wo man die Theorien nicht auf Einfachheit, Konsistenz und Übereinstimmung mit der Welt zu prüfen braucht, sondern sich damit begnügt, einander mit Erzählungen zu unterhalten.

Keine Ahnung

Geschrieben am 20.06.07 #

Im Gegensatz zu den Eliten im Mittelalter und bis zum 18. Jahrhundert zeichnen sich die gegenwärtigen Eliten dadurch aus, dass das Wissen des Einzelnen extrem asymetrisch ist. Während das Volk viel besser informiert ist als früher, stehen die Eliten schlechter da: Jeder kennt sich nur in seiner Sache aus, vom Rest hat er keine Ahnung. So sind wir nicht nur umgeben, sondern geleitet von: dem Jurist, der keine Ahnung von Informatik hat, dem Philosophieprofessor, der keine Ahnung von Recht hat, dem Politiker, der von der Geschichte nichts kennt, dem Physchologieprofessor, dem die gebildete Literatur fremd ist, dem Schriftsteller, der von Wissenschaft keine Ahnung hat, usw. Sicherlich sollte sich nicht jeder mit allem befassen, aber eine Ahnung sollte jeder von allem schon haben. Das Problem ist nicht, dass man die Einzelheiten nicht kennt, sondern, dass man sich in fremdem Gebiet überhaupt nicht orientieren kann, dass man davon absolut nichts versteht. Die Tatsache, dass die gegenwärtige Elite als Ganzes genommen keine Orientierungspunkte teilt, hat zur Folge, dass die Gesellschaft überhaupt heute — im Gegensatz zu den bisherigen Jahrhunderten — kopflos da steht.

Dieses ist keine unausbleibliche Folge der Zunahme an Wissen, sondern eine Folge der mangelnden Integration des vorhandenen Wissens. Wenn einmal das Organon alles Wissen in einem zusammenhängenden Ganzen gesammelt hat, wird man sich von allem informieren können, ohne sich in Einzelheiten zu verlieren. Man wird sich gut orientieren können, und zwar unabhängig davon, wie groß der Umfang des gesamten Wissens ist. Denn da wo Struktur ist, kann das Ganze ohne Verlust der eigenen Form weiter wachsen.

Ted Nelson bei Google TechTalks

Geschrieben am 27.05.07 #

Allen informatischen Humanisten sei das folgende Video des anregenden Visionärs ans Herz gelegt:

Ted Nelson bei Google TechTalks am 29.01.07

video.google.com/videoplay?docid=-8329031368429444452

Die Fragen, die die Zuhörer am Schluss stellen, stimmen mich nachdenklich. Geht es nur mir so, oder haben Sie auch den Eindruck, dass der arme Kerl dazu verdammt ist, immer nur Tekkies (um es mit Nelsons Lieblingsausdruck zu nennen) als Gesprächspartner zu haben? Muss er sich nicht furchtbar allein vorkommen? Muss sein Herz nicht in den einsamen Nächten rufen „Ich bin nicht der Mund für diese Ohren!”, wie einst Nietzsches Zarathustra?

Der C# Faulheit

Geschrieben am 25.05.07 #

Die Programmiersprache C# zeichnet sich aus durch eine gewisse sprachliche Trägheit. Man beschränkt sich auf das Schema Klasse/Feld/Methode und vermeidet, neue sprachliche Konstrukte einzuführen. So gibt es beispielsweise keine Syntax zum dynamischen Aufruf von Klassenmethoden und der Programmierer muss sich über die Reflektionsklassen das entsprechende Methodenobjekt holen und dessen Methode Invoke() aufrufen:

MethodInfo mi = K.GetType().GetMethod('tue_es');

mi.Invoke(K, new object[] { 4 } );

Dasselbe könnte man eigentlich so einfach wie folgt ausdrücken:

K.Invoke('tue_es')(4);

Generell hält sich die Sprache C# mit ganz wenigen sprachlichen Mitteln. Das ist aber nicht ihr Verdienst, sondern ihre Armut. Eine Sprache ist eine Infrastruktur, die zum Zweck der Textbildung zur Verfügung steht. Eine Sprache, bei der man so viel schreiben muss, wenn man so wenig schreiben könnte, wie im obigen Beispiel, ist wie ein Land ohne Autobahnen, in dem es nur Feldwege gibt. Sicher ist die Vereinfachung der Sprachen ein Desiderat. Doch nicht zu ungunsten ihrer Ausdruckskraft!

Was siehst du?

Geschrieben am 25.05.07 #

Was die Besucher dieses Blogs erleben, wenn sie diese Notizen lesen, weiß ich überhaupt nicht. Gewiss ist aber, dass es etwas ganz anders ist, als das, was ich selber beim Schreiben und später beim Wiederlesen erlebe. Wahrscheinlich würde ich mich wundern, wenn ich nur zwei Worte von ihnen hören würde, wenn sie jemandem beschreiben, was sie gerade gelesen haben. Wahrscheinlich würde ich da mit ausgefallenen Vorstellungen, mit grundlegenden Missverständnissen und völlig falschen voreiligen Schlüssen konfrontiert werden. Wahrscheinlich würde ich mich von manchem schämen und mit anderem ärgern. Und was mir am meisten stören würde, wäre wohl, dass man in den verschiedenen Notizen nur unterschiedliche Aussagen über unterschiedliche Themen sieht, während es mir einzig und allein um die Einheit geht, die unter all dem steckt. Und das ist eben der Grund, warum es so schwierig ist, das mitzuteilen, was ich mitzuteilen habe. Die Sprache ist grundsätzlich nicht in der Lage, Einheit zu äußern. Die Sätze sind dafür ausgelegt, Sachverhalte zu entfalten. Darin Einheit zu finden, das kann nur der Leser aus eigener Initiative tun.

Trunkenheit des Geistes

Geschrieben am 06.05.07 #

Zurück zu Hegel nach einer langen, viel zu langen Pause. Zurück zu ihm und seinen schwungvollen Ideen. Ja, ich mache mit dir mit, zur Hölle mit der heutigen Wissenschaft, ich habe es satt, auf allen zu warten, bis sie so weit sind, ich habe keine Geduld mehr, die Welt da zu holen, wo sie jetzt ist, ich mache schon wieder mit und rieche das verlockende Parfum, stelle mich darauf ein, bald wieder den Trunk zu genießen und in ihn (ab) zu tauchen. Ich werde sicher noch kleinmütige Wissenschaft betreiben, denn dies ist Dienst, aber ich werde auch die sinnvollen Ideen pflegen und hegeln [sic]; dies ist Schnaps.

Theory is practical (C. J. Date)

Geschrieben am 18.04.07 #

Aus C. J. Date: Database in Depth. Relational Theory for Practitioners, O'Reilly, 2005, S. 6.

Third, I am, of course, going to talk about theory — but it's an article of faith with me that theory is practical. I mention this point explicitly because so many people seem to believe the exact opposite: namely, that if something's theoretical, it can't be practical. But the truth is that theory — at least, the theory I'm talking about here, which is relational theory, of course — is most definitely very practical indeed. The purpose of that theory is not just theory for its own sake; the purpose of that theory is to allow us to build systems that are 100 percent practical. Every detail of the theory is there for solid practical reasons. Indeed, much of that theory is not only practical, it's fundamental, straightforward, simple, useful, and it can be fun (as I hope to demonstrate in the course of this book).

Das Relationale Modell halte ich nicht nur für eine großartige Theorie, sondern für die beste Theorie überhaupt, die es in der Informatik gibt. Das, was die Universitäten die Theoretische Informatik nennen, besteht nur aus leeren Abstraktionen, die vielleicht zu bestimmten Zwecken relevant sind, die aber mit dem Kern der Informatik nichts zu tun haben. Das Relationale Modell hingegen, das offiziell als „Angewendete Informatik” abgetan wird, ist die einzige real existierende fundamentale Theorie.

Die verlorene übersicht

Geschrieben am 12.04.07 #

Die gegenwärtige Rückschritte — ja die ansetzende neue Barbarei — in der Wissenschaft sind darauf zurückzuführen, dass diese die Übersicht vollkommen verloren hat. Heute gibt es keine Universalgelehrte mehr. Nicht dur das: Die gebildeten Menschen der Gegenwart haben viel weniger Kenntnisse als die des 18. Jhs. Heute kennt man zwar viele Details, ist aber überhaupt nicht in der Lage, sich ein zusammenhängendes Bild des Ganzen zu machen. Das, was die Aufklärung hervorgebracht hat, nämlich eine gebildete Schicht in der Gesellschaft, ist uns abhanden gekommen. Die Einzelerkenntnisse sind seitdem überliefert und vermehrt worden, nur die innere Ordnung haben sie vollständig verloren.

Das Organon kann das Problem frontal angreifen und zur vollen Zufriedenheit lösen, indem es alle Einzelerkenntnisse in einem strukturierten Ganzen organisiert.

Lexikalische Bedeutung

Geschrieben am 15.03.07 #

Es gibt nicht zuerst die Wörter und erst dann den Text, sondern anders herum: Was es zunächst in der Welt gibt, ist dieser und jener Text als das symbolische Gebilde, das einem Ausdruck unterliegt. Erst wenn wir vor vielen Texten stehen und darin viele Gemeinsamkeiten entdecken, kommen wir zu Symbolen, die immer wieder auftreten und aus denen sich jeder Text zusammensetzt. Diese Bausteine nennen wir Wörter. Dieses gilt aber nicht nur für die Syntax, sondern auch für die Semantik. Jeder besondere Text kann vielmals auslegt werden, etwa von verschiedenen Menschen, oder von derselben Person unter verschiedenen Umständen, mit verschiedenen Absichten oder zu verschiedenen Zeiten. Wenn man jede Auslegung des Textes analysiert, lässt sich die Funktion, die das einzelne Wort darin spielt, ausmachen. Die Gemeinsamkeiten in der semantischen Funktion eines Wortes in vielen Texten nennen wir die lexikalische Bedeutung des Wortes.

Zu unterscheiden ist da zwischen der lexikalischen Bedeutung eines Wortes innerhalb eines abgeschlossenen Korpus, etwa in historischen Texten, und der lexikalischen Bedeutung der Wörter einer lebendigen Sprache. Die lexikalisch-historische Bedeutung ist eine Tatsache, die man empirisch feststellen kann, indem man das Korpus untersucht. Geht es hingegen um eine lebendige Sprache, zum Beispiel im Falle eines Bedeutungswörterbuchs des gegenwärtigen Deutschen, ist die lexikalische Bedeutung eine Idealisierung, die weniger die tatsächlichen Auslegungen als vielmehr den vom Herausgeber erwünschten Einsatz widerspiegelt. Wir nennen diese idealisierende Bedeutung im Unterschied zur lexikalisch-historischen die lexikalisch-normative Bedeutung der Wörter.

Die Ideen von Tim Berners-Lee

Geschrieben am 10.03.07 #

Sehens- und hörenswert ist die Rede, die der Web-Erfinder am 1.3.07 vor dem Kongress der Vereinigten Staaten hielt:

Digital Future of the United States: Part I. The Future of the World Wide Web

archive.org/details/gov.house.energy.ti.2007.03.01

Seine Ideale und Zukunftsaussichten kommen hier viel lebendiger und deutlicher zum Ausdruck als in seinem Buch Der Web-Report, in dem er über die Entstehung des Webs berichtet.

Die Parzellierung des Wissens

Geschrieben am 10.02.07 #

Die Unterteilung der Wissenschaft in immer kleinere, voneinander unabhängige Bereiche hat zur Folge, dass der Einzelne an Übersicht und die Wissenschaft im Ganzen an Konsistenz verliert. Diese Parzellierung des Wissens ist aber keine unerlässliche Folge der Spezialisierung in den Wissenschaften. Sie hat eine Lösung, nicht etwa wie die Interdisziplinarität, die immer Stückwerk bleiben muss, sondern eine logisch vollkommene Lösung. Diese lautet: ein materielles, formales und einheitliches wissenschaftliches Korpus.

Das jetzige wissenschaftliche Korpus, das kaum verstofflicht, nur ansatzweise formal und überhaupt nicht einheitlich ist, verbindet unzertrenntlich bestimmte Wissenschaftszweige, ja einzelne Wissenschaftler-Teams mit bestimmten Theorien und Erkenntnissen. Es gibt Erkenntnisse, die nur ganz wenigen Wissenschaftlern, die sich damit Jahrzentelang eingehend —und ausschließlich— befasst haben, zugänglich sind.

Wenn das wissenschaftliche Korpus vollständig materialisiert wäre, stünden jedem alle Erkenntnisse zur Verfügung. Wenn das Wissen in einheitlicher formaler Sprache spezifiziert wäre, könnte man jede Theorie anderswo einsetzen, ohne die hochspezialisierte Auslegung, die sie hervorgebracht hat, nachvollziehen zu müssen. Wenn alles Wissen in einem konsistenten System integriert wäre, bliebe nicht jede Theorie (wie heute) auf ihren Entstehungs-Zusammenhang beschränkt, sondern fände sie in jedem anderen erdenklichen Zusammenhang Anwendung, und somit auch Widerspruch oder Unterstützung.

Wenn man den wissenschaftlichen Betrieb als die Arbeit von verschiedenen unabhängigen Teams an einem einzigen Korpus auffasst, dann wird jede Stelle des Korpus von vielen verschiedenen Teams mit vielen verschiedenen Absichten und Hintergründen ausgewertet, beurteilt und verbessert. Hier gibt es überhaupt keine Parzellierung des Wissens, weil das Korpus immer das eine bleibt, trotz immer wachsender Anzahl von Zwecken und Gesichtspunkten, unter denen jeder einzige Satz untersucht wird.

Das textorientierte Paradigma

Geschrieben am 06.02.07 #

Das textorientierte Paradigma ist die Auffassung von Software, die sich ergibt, wenn man einsieht, dass der Quellcode Text ist. Den Schritt nach vorne tut man, wenn man den Quellcode nicht als Implementierung, sondern als Spezifikation ansieht. Bisher hat man die Programmiersprachen nur als Implementationssprachen gedacht. Die Listen werden in LISP immer gleich implementiert, die Objekte werden in Smalltalk immer gleich implementiert. So hat man dann die Sprachen LISP und Smalltalk immer nur unter dem Aspekt dieser Implementierung gesehen. Der textorientierte Ansatz hingegen definiert nicht irgendwelche neue Implementations-Struktur (wie Funktion, Liste, Objekt), sondern eine neue Spezifikations-Struktur: den Text. Der Quellcode spezifiziert Symbole anhand anderer Symbole, und zwar in der Form eines Textes (s. Allgemeine Definition des Textes). Der Compiler ist in der Lage, den Quelltext in einen anderen Text (die ausführbare Binärdatei) zu übersetzen. Zum Beispiel könnte im Quelltext etwas wie „f : Funktion” stehen, die f als eine Funktion deklariert. Das ist aber für einen textorientierten Compiler kein Implementierungs-Hinweis, sondern ein rein lexikalischer: Hier führt man ein Symbol ein, mit dem Namen „f” und dem Typ „Funktion”, das wiederum der Name eines anderen Symbols ist. Wie der Compiler diese Funktion zu implementieren hat, ist der Definition von „Funktion” zu entnehmen. Aber diese Definition verfügt über den ganzen zu übersetzenden Quellcode als Text und kann ihn abfragen, um die Implementierung zu bestimmen, und so ergibt sie beispielsweise je nach dem eine in-line-Implementierung, oder eine mit Stapel- oder Register-Parametern, einen DLL- oder Webdienst-Aufruf, oder gar die Aufforderung einer Benutzer-Eingabe. Die Textorientierung entsteht, wenn man den Blick an den Text richtet und erst einmal bei dem Text bleibt, ohne ihn sofort unbedingt auch zu interpretieren.

Die Rolle des Organons

Geschrieben am 03.01.07 #

Das Organon ist für die Texte das, was das Bankwesen für die Wirtschaft ist: die rein system-interne, regulative Instanz. Die Banken bringen keine materiellen Produkte hervor und wir brauchen sie nicht als Zweck, sondern als Mittel. Ihr Nutzen ergibt sich aus dem Zahlungsverkehr, ihre Notwendigkeit entsteht ab eine gewisse Komplexität der Wirtschaft. So auch mit dem Organon und dem Text. Das Organon soll die Instanz sein, die den Text-Verkehr reguliert. Sein Nutzen ergibt sich aus dem formalen Einsatz des Textes. Seine Notwendigkeit entsteht ab eine gewisse Komplexität der Texte.

Das Organon ist in der Wissenschaft vonnöten. Das wissenschaftliche Korpus als Summe aller gegenwärtig wissenschaftlich gültigen Publikationen soll vom Organon untersucht und verbessert werden. Das Organon ist auch im Recht geboten. Das Korpus der Gesetze soll vom Organon strukturiert, dessen Auslegung vom Organon regiert werden. Da sonst fast alle menschliche Tätigkeiten durch Texte artikuliert werden, soll das Organon überall eindringen, von der Verwaltung über die Organisation bis zur Technik. Das Organon wird der Wissenschaft, dem Recht und generell allen Text einsetzenden Bereichen konsistenz und feste Grundlagen gewähren.

Philosophen als Vermittler

Geschrieben am 01.01.07 #

DER VERWERTER: »Philosophen als Vermittler« ist der Ansicht, die Philosophie als Disziplin sollte als Vermittler des menschlichen Wissens fungieren. Sicherlich braucht man eine solche Instanz, die den von den vielen Einzelwissenschaften zertrümmerten Überblick wiederherstellt. Doch zu diesem Zweck brauchen wir den Namen Philosophie überhaupt nicht. In jener Vermittlung geht es darum, das wissenschaftliche Wissen zu einem in sich stimmigen Ganzen zusammenzuführen und es dann der Gesellschaft in großen Zügen verständlich zu machen. Das hat mit philosophischen Gedanken überhaupt nichts zu tun, schon gar nicht mit den historischen Ideen von großen Philosophen. Ich bin ganz anderer Meinung. Was wir brauchen ist eine Philosophiewissenschaft, die die Ideen der historischen Philosophen gut kennt und zugänglich macht, und auf der anderen Seite eine Wissenschaft des Organons, die alle Einzelwissenschaften methodologisch fundiert und die alle wissenschaftlichen Erkenntnisse integriert. Diese beiden sind die Wissenschaften, die möglich und nötig sind. Das kreative Philosophieren — das grundsätzlich nicht zu einer Disziplin werden kann — soll immer eine freie, nicht schulmäßige Tätigkeit bleiben.

Startseite | Kontakt


Blog

Einträge

Letzte Änderung am 09.01.17

Copyright © 2001-2017 Francesc Hervada-Sala. Alle Rechte vorbehalten.

oben | Startseite | Kontakt